Das Stück handelt von einer unglücklichen, tödlich endenden Liebe.
Die Geschichte wird in Form von Rückblicken und Erinnerungen aller Beteiligten
erzählt. Die unterschiedlichen Perspektiven und Erinnerungen werden durch eine
Gerichtsverhandlung zusammengehalten, die sich aus dem Hauptthema des Stückes
ergibt: der Frage nach Schuld und Verantwortung.
Die Handlung findet auf mehreren Ebenen statt: Das Damals (die Erinnerungen), die
Gerichtsverhandlung in der Gegenwart, in der über das Vergangene geurteilt
werden soll, und das Damals im Heute, das entsteht, wenn die Zeuginnen und Zeugen
während der Gerichtsverhandlung plötzlich von ihren Erinnerungen eingeholt
werden und sich verhalten, als wären sie wieder in der Vergangenheit.
Diese drei Zeitebenen werden in der Inszenierung durch unterschiedliche ästhetische
Mittel gekennzeichnet. So erscheinen die Rückblenden als projizierte Filmsequenzen.
Es verbinden sich die Vorzüge der Film- und der Theaterkunst: intime Einblicke in
die Seelen der Personen und die emotionale Erfahrung, das Miterleben und Mitfühlen
mit den Figuren. Die unchronologisch aufeinander folgenden Erinnerungen fügen sich
beim Zuschauen zu einer ganzen Geschichte zusammen. Nach und nach erkennen die Figuren
wie auch die Zuschauerinnen und Zuschauer, welch verzweigte Folgen ihre Handlungen haben,
wie viel Verantwortung in jeder Äusserung, in jedem Tun und auch in jedem
Verschweigen, jedem Unterlassen steckt.
So eine Liebe ist ein Schauspiel in zwei Teilen von Pavel Kohout.
Die Uraufführung war in Prag 1957, die deutsche Erstaufführung
in Dresden 1958 am Staatstheater. - Der seit Beginn der fünfziger
Jahre in der Tschechoslowakei anerkannte Dramatiker machte mit So eine Liebe international auf sich aufmerksam. Das Interesse galt der
ungewöhnlichen Thematik - eine unglückliche Liebe mit
tödlichem Ausgang.
Im Rahmen einer Gerichtsverhandlung wird anhand von Zeugenaussagen und
einer Kette von filmischen Retrospektiven der Tod einer jungen Frau
rekonstruiert. Auf der Anklagebank sitzen die Beteiligten: nur die Tote
bekennt sich schuldig.
Pavel Kohout - Wortführer des Prager Frühlings. -
Schriftsteller - Regisseur
Pavel Kohout wurde am 20.Juli 1928 in Prag geboren. Er studierte Philosophie,
war Zeitschriften-, Fernseh- und Rundfunkredakteur sowie kurzfristig
(1949-1950) Kulturattaché in Moskau. Seit 1957 widmete er sich
ausschliesslich der Literatur und hatte als freier Schriftsteller und Regisseur
auch ausserhalb der damaligen Tschechoslowakei grossen Erfolg.
Kohout war 1968 einer der Wortführer des Prager Frühlings.
1969 wurde er aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen; danach war er
staatlichen Repressalien ausgesetzt, die sich 1977 noch verstärkten,
nachdem er gemeinsam mit Vaclav Havel die Gründungsdokumente der Charta
77 verfasst hatte.
Im Herbst 1978 kamen Pavel Kohout und seine Frau Jelena zu einem längeren
Aufenthalt nach Wien, das ihnen zur zweiten Heimat wurde, nachdem ihnen 1979 die
Rückreise in die Tschechoslowakei verwehrt worden war. In Wien war er unter
anderem als Dramaturg am Burgtheater tätig. Seit 1991 lebt und arbeitet Kohout
sowohl in Wien als auch in Prag, wo er als Intendant des Deutschen Theaters eine
wichtige Funktion im Kulturleben der Stadt bekleidet.
In den letzten Jahren setzt sich der österreichisch-tschechische
Doppelstaatsbürger Kohout intensiv für einen Dialog zwischen
Österreich und der tschechischen Republik in der Frage der sog.
Benesdekrete ein. (Das problematische Verhältnis zwischen
Tschechen und Sudetendeutschen ist auch das Thema seines Romans Die
lange Welle hinterm Kiel.). Heute lebt Kohout in Wien und Prag.