So eine Liebe - Pavel Kohut - Theater auf der Werdinsel, ProjektN, Digital Cinema, Zürich

So eine Liebe

Pavel Kohout

Programmbuch


Titelseite aus 78

Probenfotos

Konzept

Das Stück handelt von einer unglücklichen, tödlich endenden Liebe. Die Geschichte wird in Form von Rückblicken und Erinnerungen aller Beteiligten erzählt. Die unterschiedlichen Perspektiven und Erinnerungen werden durch eine Gerichtsverhandlung zusammengehalten, die sich aus dem Hauptthema des Stückes ergibt: der Frage nach Schuld und Verantwortung.

Die Handlung findet auf mehreren Ebenen statt: Das Damals (die Erinnerungen), die Gerichtsverhandlung in der Gegenwart, in der über das Vergangene geurteilt werden soll, und das Damals im Heute, das entsteht, wenn die Zeuginnen und Zeugen während der Gerichtsverhandlung plötzlich von ihren Erinnerungen eingeholt werden und sich verhalten, als wären sie wieder in der Vergangenheit.

Diese drei Zeitebenen werden in der Inszenierung durch unterschiedliche ästhetische Mittel gekennzeichnet. So erscheinen die Rückblenden als projizierte Filmsequenzen. Es verbinden sich die Vorzüge der Film- und der Theaterkunst: intime Einblicke in die Seelen der Personen und die emotionale Erfahrung, das Miterleben und Mitfühlen mit den Figuren. Die unchronologisch aufeinander folgenden Erinnerungen fügen sich beim Zuschauen zu einer ganzen Geschichte zusammen. Nach und nach erkennen die Figuren wie auch die Zuschauerinnen und Zuschauer, welch verzweigte Folgen ihre Handlungen haben, wie viel Verantwortung in jeder Äusserung, in jedem Tun und auch in jedem Verschweigen, jedem Unterlassen steckt.

Stück

So eine Liebe ist ein Schauspiel in zwei Teilen von Pavel Kohout. Die Uraufführung war in Prag 1957, die deutsche Erstaufführung in Dresden 1958 am Staatstheater. - Der seit Beginn der fünfziger Jahre in der Tschechoslowakei anerkannte Dramatiker machte mit So eine Liebe international auf sich aufmerksam. Das Interesse galt der ungewöhnlichen Thematik - eine unglückliche Liebe mit tödlichem Ausgang.

Im Rahmen einer Gerichtsverhandlung wird anhand von Zeugenaussagen und einer Kette von filmischen Retrospektiven der Tod einer jungen Frau rekonstruiert. Auf der Anklagebank sitzen die Beteiligten: nur die Tote bekennt sich schuldig.

Aufführungsrechte bei Verlag PEGASUS GmbH, Berlin

Autor

Pavel Kohout - Wortführer des Prager Frühlings. - Schriftsteller - Regisseur

Pavel Kohout wurde am 20.Juli 1928 in Prag geboren. Er studierte Philosophie, war Zeitschriften-, Fernseh- und Rundfunkredakteur sowie kurzfristig (1949-1950) Kulturattaché in Moskau. Seit 1957 widmete er sich ausschliesslich der Literatur und hatte als freier Schriftsteller und Regisseur auch ausserhalb der damaligen Tschechoslowakei grossen Erfolg.

Kohout war 1968 einer der Wortführer des Prager Frühlings. 1969 wurde er aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen; danach war er staatlichen Repressalien ausgesetzt, die sich 1977 noch verstärkten, nachdem er gemeinsam mit Vaclav Havel die Gründungsdokumente der Charta 77 verfasst hatte.

Im Herbst 1978 kamen Pavel Kohout und seine Frau Jelena zu einem längeren Aufenthalt nach Wien, das ihnen zur zweiten Heimat wurde, nachdem ihnen 1979 die Rückreise in die Tschechoslowakei verwehrt worden war. In Wien war er unter anderem als Dramaturg am Burgtheater tätig. Seit 1991 lebt und arbeitet Kohout sowohl in Wien als auch in Prag, wo er als Intendant des Deutschen Theaters eine wichtige Funktion im Kulturleben der Stadt bekleidet.

In den letzten Jahren setzt sich der österreichisch-tschechische Doppelstaatsbürger Kohout intensiv für einen Dialog zwischen Österreich und der tschechischen Republik in der Frage der sog. Benesdekrete ein. (Das problematische Verhältnis zwischen Tschechen und Sudetendeutschen ist auch das Thema seines Romans Die lange Welle hinterm Kiel.). Heute lebt Kohout in Wien und Prag.